Die letzte Etappe der Transalp Tirol Filmproduktion – ein Bericht von Roland Schymik, Dipl. Ing. Audiovisuelle Medien (FH) und Redakteur bei AtelierBusche.MEDIA
Wir sind wieder mal beim Tragen der Räder auf über 2000 Metern. Zwei alte Bekannte haben wir uns heute vorgenommen. Schon 1998 war ich auf einem Alpencross über Schneebergscharte und Eisjöchl unterwegs. Die Stimung war ähnlich gut damals, das wetter genau so traumhaft, nur das 12 kg leichte hardteil mit Stargabel und Cantileverbremsen ließ sich etwas leichter Tragen.
Dafür bin ich mir jetzt schon sicher, dass der Downhill mir dieses Mal noch mehr Spaß machen wird. An große Schiebepassagen abwärts kann ich mich nicht erinnern. Damals schon kam mir alles sehr flowig vor. Aber vieleicht finden wir heute ja noch den ein oder anderen etwas anspruchsvolleren Trail.
Konditionell sind wir super drauf heute. Den Schotterstraßenanstieg bis zur Boschalm haben wir in den frühen Morgenstunden in Bestzeit genommen. Natürlich kamen wir gut ins Schwitzen. Doch das Ziel an einem Tag Schneebergscharte und Eisöchl zu bezwingen hat uns vorangetrieben. Das wird sicher kein Zuckerschlecken.
Während des Aufstiegs kommen wir immer wieder an den Resten der alten Bergwerksanlage vorbei. Appi kommt auf die Idee, dass sich die alten Bremswege der Grubenhunde perfekt als Achterbahn ausbauen ließen. Wir stellen uns vor, wie wir frei nach Indiana Jones auf Grubenhunden durch den Schneeberg jagen und über einen der alten Bremswege ins freie katapultiert werden.
Die Sonne schein, nur der ass selber ist teilweise in einer dichten Wolke versteckt. Wanderer oder andere Biker sehen wir so früh noch nicht am Berg. Wir kommen an den Resten eines Schneefeldes vorbei und steigen Serpentine für Serpentine nach oben.
Die Erinnerung an 1998 kommt wieder. Wie stolz waren wir damals aufjeen bezwungenen Pas. Ich denke an die Fotos von damals. Wir, die Räder hoch erhoben auf einem großen Felsen über dem Joch.
Heute erreiche ich den Pass wie einen alten Bekannten. Ich freue mich wieder hier oben zu sein und erinnere mich der schönen gemeinsam verbrachten Stunden.
Der erste Teil des trails nach unten sieht lecker aus. wie war ich da damals mit den Cantileverbremsen heruntergekommen? Ich weiß es nicht mehr.
Nach einer kurzen Rast auf der Schneebergscharte geht es abwärts. Die ersten Serpentinen sind schnell genommen. Mit Ausnahme der ersten Rechtskurve. Sogar unser Spitzkehrenprofie Martin muss hier einen Fuß kurz absetzen.
Umso flowiger geht es dann aber weiter in Richtung Schneeberghaus. Auf halber höhe treffen wir auf Lukas Stöckli samt Transalp-Gruppe. Welch freudige Begegnung! Bisher hatten wir nur per E-mail miteinander das Vergnügen. Seine Gruppe kommt vom Eisjöchel und ist nimmt heute die Schneebergscharte von der anderen Seite als wir in Angriff.
Nach einem kurzen freudigen Hallo, verabschieden wir uns wieder und setzten unseren Downhill fort. Mit dem Euipment von bis zu 165mm Federweg und Downhillfelgen sollte ja nichts schiefgehen.
1998 noch hat sich einer der Mitfahrenden bei dieser Abfahrt eine Felge derart demoliert, dass er sich auf dem Schneeberghaus Hammer und Meisel erbeten musste um sie notdürftig wieder gebrauchsbereit zu dengeln.
Gerade noch filme ich die drei Tiroler beim Downhill und im nächsten Moment höre ich Martin hinter der nächsten Kurve fluchen. Was ist da nur passiert?
Martin fährt die sauberste Linie von uns allen. Er wird sich doch keinen Durchschlag geholt haben?
Als ich am Unfallort ankomme haben die drei das Rad schon auf Sattel und Lenker gestellt. Die Kette und zwei Speichen sind von einem emporspringenden Stein durchtrennt worden.
Sowas habe ich noch nie gesehen. Der Stein muss beim drüberfahren nach oben gesprungen sein und er hat sich dann so zwischen Kette, Speichen und Rahmen verkeilt, dass Kette und Speichen nachgeben mußten.
Die Kette ist schnell gepflickt. Zwei Speichen weniger läuft auch noch unter “Gewichtstuning” – und weiter gehts!
Im Schneeberghaus tanken wir nur kurz Wasser und essen einen Riegel. Zum Mittagessen ist es noch zu früh. Das wollen wir im Passeital nachholen.
Der normale Weg vom Schneeberghaus ins Passeital ist für eine Trailtransalp natürlich zu langweilig. Es gibt aber auch ein paar gute Alternativen.
Wir entscheiden uns für einen Trail, der direkt nach dem Schneeberghaus an etwas altem Metallschrott und einem Bergwerksschauraum vorbei in vielen teilweise sehr engen Spitzkehren zu einer sumpfigen Wiese mit ein paar Tümpeln führt.
Der Einstieg in den Trail und das erste Seilgesichere Stück ist ziemlich knifflig. Einmal müssen wir kurz absteigen. Der bis zu den Tümpelseen, entlang eines alten Bergwerksbremswegs ist ein Traum für Fahrtechnikfreaks. Wir jubeln über jede gelungene super enge Serpentine. Endlich bin ich mit meinem Fahrkönnen wieder auf der Höhe.
Von oben sehen wir eine Gruppe Wanderer, die uns entgegen komt. Hoffentlich gibt das keinen Ärger auf dem schmalen Steig. Doch diese Angst ist umsonst. Alle sind super, super freundliche. Sie Grüßen zurück, applaudieren und kommentieren unsere Fahrtechnik, Loben unseren Mut und machen bereitwillig einen Schritt zur Seite um uns vorbei zu lassen.
Die herbeigeredete Problematik zwischen Bikern und Wanderern kenne ich aus der Realität so gut wie garnicht. Sicher gibt es überall ein paar schwarze Schafe. Diese treiben sich aber offensichtlich nicht in Südtirol herum.
Nach der Wiese mit dem Tümpelseen folgen wir dem Trail hinab in den Wald. Fantastische Spitzkehren, teils flowige, teils verblockte Teilstücke. Einfach genial.
Nach einer kleinen Hütte führt der Weg dann den Hang entlang wieder etwas aufwärts, bis er auf in den Standartweg vom Schneeberghaus ins Tal mündet.
Um Zeit zu sparen lassen wir erstmal das weitere Trailhunting und brausen hinab ins Tal.
Hungrig sind wir nun auch und sind froh, als wir in Moos gleich einen Gasthof mit guter Pasta finden. Die Energie werden wir brauchen.
Bis Pfelders fahren wir über die Teerstraße ca. 500 hm hinauf. Es zieht sich ganz schön. Doch das Wetter ist stabil und wir sind guter Dinge. Nur über dem Eisjöchel hängt immer noch eine Wolke fest.
Auf dem Schotterweg bis zur Lazinser Alm treten wir noch mal richtig kräftig in die Pedale. Die Steigung ist gering und die schöne alpine Landschaft fliegt geradezu an uns vorbei.
Kurz vor der Alm ist die Abzweigung zum Spronserjoch. Am Abend zuvor schon hatten wir überlegt dieses statt dem Alleweltsübergang Eisjöchl anzugehen.
Die Trail Transalp tirol wird zur Richtig runden Sache, wenn wir von Seefeld nach Dorf Tirol bzw Meran fahren.
Die Ursprüngliche Variante mit Shuttle aus dem Vinschgau zum Stilfser Joch und dann den Goldseetrail runter erscheint uns nach den ständigen Diskussionen um eine Bikesperrung des Goldseetrails als Sinnlos. Wir beschließen uns auf der Alm nach dem Weg zu erkundigen.
Auf der Lazinser Alm (1860 m)berichten sie uns, dass wir von dem Spronser Joch nach Meran sicher alles tragen müssen, da das ein ganz grober Weg sei mit vielen Stufen und Steinplatten. Wir finden, dass das sehr verlockend klingt. Trotz eingehende Abraten der erfahrenen Wanderer treten wir den Weg zum Spronser Joch an. Landschaftlich soll der Weg bombastisch sein und selbst wenn wir alles tragen müssten, wie uns versichert wurde, wären wir sicher noch vor Einbruch der Dunkelheit in Dorf Tirol. Zudem gibt es auf dem Abstieg noch zwei bewirtschaftete Hütten.
Da der Weg auf unseren mitgenommenen Karten nicht ganz drauf ist, kaufen wir an der Hütte noch schnell die Passende Wanderkarte. Dann geht es los.
Wir fahren die erste Serpentine zur Einsjöchl-Auffahrt und biegen dann auf einen Trail ins Pfelderertal. Wir folgen dem Weg Nr. 42, der uns bis zum Spronsorjoch führen soll.
Das Tal entlang können wir noch alles fahren, da für die Almwirtschaft ein grober Traktorweg mit wenig Steigung vorhanden ist. Nach einer Bachquerung, bei der wir die Schuhe ausziehen müssen um durch die Furt zu kommen, heißt es 600 hm hochtragen.
Das Spronserjoch glänzt die ganze Zeit im strahlenden Sonnenschein, auch wenn wir teilweise im Schatten gehen müssen. Wir steigen über Plattenstufen, große vom Gletscherschliff geglättete Felsplatten und Almpfade. Immer dem Weg Nr. 42 hinterher. Die Aussicht ist fantastisch. Vor allem die Ehrenspitz in unserem Rücken mit ihrer markanten, pyramidenähnlichen Form und im Vordergrund die hohe Weiße sind besonders Eindrucksvoll.
Der Pass selber ist eine große Steinplatte mit vielen markanten Steinmannerln drauf. Wir erreichen ihn im strahlenden Sonnenschein und glauben fast nicht, was wir sehen. Unter uns liegen die Spronser Bergseen im schönsten Abendlicht. Für dieses Panorma fehlen uns alle Worte.
Wir hüpfen alle vier auf dem Joch herum und rufen, “Geil! Super! Wow!…”
Oliver macht jede menge Fotos und ich nutze den Hintergrund für Interviews mit den dreien.
Dann geht es zur Abfahrt. Das erste Stück ist Seilgesichert und stark ausgesetzt. Für wenige Fahrtechnikprofis sicherlich machbar. Wir steigen hier für ganze fünf Meter ab. Es sollen die einzigen fünf Meter bleiben auf dem über 2000 hm langen Downhill vom Spronser Joch (2581) nach Dorf Tirol.
Hohe Steinstufen und extrem verblocktes Gelände verlangt Fahrern und Fahrrad alles ab. Die Spitzkehren sind durchweg fahrbar, allerdings durch die vielen Steine sehr anspruchsvoll. Bis zur Oberkaserhütte auf 2131 m ist der Trail mit der Markierung Nr. 6 komplett im oberen S3 Niveau. Vor einer Bergkulisse, die seines gleichen sucht. Danach bleibt der Trail landschaftlich wunderschön. Es folgen aber endlos viele Steinplatten mit super nervigen Senkrechten Wasserrinnen.
Das kostet den einen oder anderen Schlauch. Appi hat kurz hintereinander gleich zwei Durchschläge. Das kostet Zeit und die Sonne ist langsam hinter den um uns liegenden 3000ern verschwunden.
Im unteren Bereich wird der Trail Nr. 6 dann wieder schöner zu fahren. Wunderbare Stufen, so hoch das mein Ketteblatt das eine oder andere Mal anschlägt, enge Spitzkehren und endlich weniger nervige Wasserrinnen. Im Wald wird es kurz sogar richtig flowig, bis wir auf einem Schotterweg rauskommen, der uns bis zum Dorf Tirol führt.
Appis hintere Bremsbeläge sind komplett runtergebremst. Leider haben wir für sein Bremsenmodell kein Ersatz dabei. So ist für ihn das letzte Stück nicht ganz so spaßig wie für uns.
Eine andere Variante wäre sicherlich nach der Oberkaserhütte auf den 22er zu wechseln. Es kommt dann nochmal ein Anstieg. Aber laut Karte müsste uns dieser Trail komplett als Singletrail nach Dorf Tirol führen. Eventuell ohne die nervigen Wasserrinnen und Schotterstraße am Ende.
Leider hat uns die Zeit für diese Variante gefehlt. Martin und Oliver hatten auch noch jeweils einen Platten. Nur ich bin verschont geblieben. So ist fast schon Dämmerung, als wir Dorf Tirol erreichen. Unser Ziel. Vier Tage haben wir jetzt gebraucht von Nordtirol (Seefeld) nach Südtirol (Dorf Tirol).
Etwas gemütlicher wäre sicherlich die Tour in fünf Tagen zu machen. Fünf Tage fünf hohe Pässe mit viel Tragespaß. Sicher nicht für jedermann. Aber wer sich auf das Abenteuer einläßt wird ganz neue Mountainbikeeindrücke mit nach Hause nehmen. Das hochalpine Gelände auf Seejöchl, Pinisjoch, Sandesjöchl, Schneebergscharte und Sponserjoch ist fantastisch und unheimlich abwechslungsreich.
Die Krönung bietet tatsächlich das einsame Spronserjoch mit den Spronser Seen und dem Downhill von über 2000 hm auf großteils hoch anspruchsvollen Trails.
Aber jeder Pass hat für sich ein besonderes Highlight. Landschaftlich, Fahrtechnisch und vom Untergrund her ist wirklich alles dabei, was von Nordtirol nach Südtirol vorstellbar ist.
Unser dritter Tag war sicher eher ein Ruhetag. Aber man kann ihn auch nutzen um noch bis zur Boschalm hochzufahren. Dann kann man am letzten Tag direkt mit dem Schiebestück zur Schneebargscharte beginnen und ist zeitlich gegen Ende nicht so eng.
Wir haben den letzten Abend in Meran bei Pizza und Rotwein ausklingen lassen. Von Dorf Tirol ist man schnell heruntergerollt und am morgen darauf gibt es eine super Zugverbindung von Meran zum Brenner bzw nach Innsbruck.
Meran – Brenner kostet pro Person (inkl. Fahrrad) 14 EUR.
Fotos: www.appi.at
Alle Berichte zum Filmprojekt Transalp Tirol
Die Dreharbeiten zur neuen Transalp Tirol DVD sind nun abgeschlossen und es geht weiter zum Schnitt. Sobald die DVD erhältlich ist, werden wir natürlich darüber berichten. Vermutlich wird das schon innerhalb der nächsten 2-3 Montaten sein!
In der Zwischenzeit können wir Ihnen die bereits erschienenen 3 Teile Abenteuer Alpencross empfehlen!
Promotion Amazon:
Mehr Infos und weitere Mountainbikefilme finden Sie bei www.AtelierBuscheMEDIA.com
Oder haben Sie gleich Interesse an einer Alpencrosstour? www.appi.at











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