Florian Hill: Illimani Expedition 2010
Eine Idee wächst
Als mich der Mittenwalder Extremalpinist und Anden-Experte Robert Rauch erstmals im November 2009 mit diesem besonderen Berg konfrontiere, wuchs meine Leidenschaft exponential mit jedem weiteren Tag. Unserer anfänglichen Idee, den Illimani über seine Südwand zu besteigen und anschließend das komplette Massiv, mit drei weiteren Gipfeln über 6000 Metern zu überqueren, reifte zu einer Realutopie heran, die jetzt auf ihre Umsetzung wartet. In seiner komplexen Gesamtheit ist dieses Vorhaben ein letztes und grenzwertiges Abenteuer in der Besteigungsgeschichte des Illimani.
Bolivien – ein Land der Extreme
Bolivien ist ein Land mit Dauerkonflikten, die eine erhabene und gewaltige Natur noch krasser hervortreten lassen. Ein wüstes und schönes Land zugleich. Das Land geschundener Bergleute und gewaltiger sozialer Probleme, der Kluft zwischen Hungrigen und Satten, das Land unvorstellbarer Bodenschätze auf dem Altiplano und in der Uyuni Salzwüste.
La Paz, der Regierungssitz Boliviens, ist das „Shanghai“ Südamerikas. Auf einer Höhe von 3700 Metern kann diese wüste, dreckige, barocke Stadt mit blutiger Geschichte für den durchschnittlichen Europäer nicht mehr als eine vage Vorstellung sein.
La Paz ist eine bunte Mestizenstadt, doch ein überwältigender Prozentsatz, vor allem der ärmeren Bevölkerungsschichten, ist indianischen Ursprungs.
Die gewaltige Natur Boliviens ist ein anderer Kosmos. Sie beginnt sofort hinter den Toren von La Paz, wo die Zivilisation abrupt aufhört. Bolivien, das ist vor allem eine unglaubliche Weite und klimatische Vielfalt im Extremen.
Über der Stadt La Paz ragt der 6439 m hohe Illimani in vollkommener Klarheit hinter den Wolkenkratzern dem Himmel entgegen.
Für die einheimische Bevölkerung ist der Illimani mehr als nur ein Berg. Der Illimani ist ihr Wahrzeichen. Der Fremde möge sich hüten, abfällig über ihn zu sprechen: Das ist unverzeihlich. Und auch wenn der Schein trügt und man glaubt aus dem Stadtzentrum einen Stein auf seine Westflanke werfen zu können, ist der „Hausberg“ von La Paz immerhin 90 km weit entfernt. Mit insgesamt vier Gipfeln über 6000 m ist der Illimani kein einzelner Berg, sondern ein eigener Gebirgsstock für sich, eingehüllt in zahlreichen Sagen und Mythen der Indios.
Superlativ Südwand
Seine steile, der Stadt abgewandte Südwand, ist die höchste Eis- und Felsflanke Boliviens. Sie ist nicht ohne weiteres zugänglich und über sie ist so wenig bekannt, dass selbst einheimische Bergführer erstaunlich wenig über sie wissen.
Lionel Terray, bergsteigerisches Vorbild für Generationen, hat bei seiner Erkundung der Südseite des Illimani in den 50er Jahren einmal geschrieben: „Derjenige, der es wagt, die gewaltige Südwand des Illimani zu durchsteigen, der muss erst noch geboren werden.“. Ein japanisches Spitzenbergsteigerteam (Giri-Giri Boys) hat 2006 der Südwand in souveräner Weise und fairem Stil, drei äußerst schwierige Erstbegehungen abgerungen, deren Schwierigkeitsgrad mangels einer wiederholten Besteigung noch nicht bestätigt wurde.
Florian Hill im Freizeitalpin-Talk
10 Tage vor seiner Abreise nach Bolivien, nutzten wir die Gelegenheit mit Ihm zu plaudern.
Florian Hill (26) gehört zu einer jungen und dynamischen Alpinistengeneration, welche durch die heutigen Möglichkeiten nach neuen Wegen sucht. Der im Tiroler Oberland beheimatete Athlet, hat bereits im Alter von fünf Jahren seine ersten Bergtouren mit seinem ebenso sportlichen Vater unternommen und steht nun am Anfang einer Alpinistenkarriere. Den größten Teil seiner Jugend verbrachte Florian im Hochleistungssport, den er nach zahlreichen nationalen und internationalen Erfolgen am Olympiatsützpunkt beendete. Im Alter von 21 Jahren unternahm Florian Hill Expeditionen mit Schlittenhunden nahe dem Polarkreis. Weitere Touren im klassischen Alpinistenstil folgten in Alaska, Kanada, dem südlichen Himalaya und Burma. Auch im gesamten europäischen Alpenraum konnte Florian Hill einige markante Touren absolvieren. Hier hat er perfekte Trainingsmöglichkeiten gefunden, um sich auf die Weltberge vorzubereiten.
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LOWA – MARMOT – LEKI – DEUTER – STUBAI – SUUNTO – HOEHENBALANCE – LÖFFLER – UVEX
Fotos und Text: © Florian Hill
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