Um sich weiter an die Höhe unter Belastung anzupassen brechen Florian, Robert und Stefan zu einem mehrtägigen Trekkingtrip in das peruanisch-bolivische Grenzgebiet auf. Bereits wenige Tage später, gerät das Team in einen Wettersturz auf 4700 m Höhe. Die Schlechtwetterfront über Bolivien hält an.

Ein Bericht von Florian Hill:

Unser Ausgangsort ist das bolivianische Copacabana. Hierbei handelt es sich nicht um das Copacabana am Zuckerhut, sondern um den bekanntesten bolivianischen Wallfahrtsort am Titicacasee auf 3800 m – der Titicacasee ist mit gut 8300 Quadratkilometern Wasserfläche etwa 15-mal  größer ist als der Bodensee. Das bolivianische Copacabana ist Namensgeber für das weitaus berühmtere in Brasilien und hier trifft man eher auf fromme Pilger als auf braungebrannte Strandschönheiten. In der örtlichen Basilika befindet sich die bekannte „schwarze Jungfrau“, die 1567 von einem Indio in Holz geschnitzt worden ist. Für Archäologen ist die schon früh besiedelte Isla del Sol ein ergiebiges Arbeitsfeld. Den Inkas galt sie als Ursprungsort ihrer Kultur.

Wir verlassen Copacabana

Auf unseren Rücken tragen wir alles nötige, was wir zum Überleben in den Anden benötigen. Den 10 Liter Wasserkanister, welchen wir zusätzlich mitgenommen haben, wandert in unregelmäßigen Abständen zwischen uns her und wird abwechselnd getragen. Gerade beim Aufstieg spürt man das zusätzliche Gewicht. Zusammen mit dem Wasserkanister wiegt ein Rucksack gute 30 kg.

03.00, mitten in der Nacht

Auf einem Schlag bin ich wach, sitzend im Zelt taste ich nach meiner Stirnlampe und knipse das Licht an. Ein höllischer Sturm reißt an unserer Zeltplane. Schon die zweite Nacht lässt mich dieser Sturm nicht zur Ruhe kommen, so dass ich mich von den langen Tagesmärschen erholen kann. Konnten wir gestern noch das Zelt optimal gegen den Wind ausrichten, peitscht uns heute Nacht der Sturm von allen Himmelsrichtungen entgegen. Wir befinden uns auf 4700 Metern, auf einem namenlosen Gipfel zwischen Peru und Bolivien. Unter uns ruht der mächtige Titicacasee, welcher mir wie ein großes Meer in den Anden erscheint. Über uns entlädt sich der Himmel mit gewaltiger Macht und lässt mich wieder einmal erfahren, wie hilflos wir Menschen doch den Naturgewalten ausgeliefert sind.

Am nächsten Morgen hält der Schnee-und Regenschauer an und unser oranges Zelt kontrastiert gegen den immer noch dunklen und bewölkten Anden-Himmel. Ein einfacher Toilettengang wird zu einem ungemütlichen Unterfangen. Wir verharren mit nasser Kleidung und feuchten Schlafsäcken in unseren Zelten. Das heiße Wasser welches wir am Vorabend in unsere Thermoskannen abgefüllt haben, vermischen wir mit Haferflocken und Milchpulver zu einem Frühstück – viel mehr hat unser Speiseplan nicht  zu bieten.

Wir beschließen aufgrund der anhaltend schlechten Wetterlage, mit einem mehrstündigen Gewaltmarsch wieder nach Copacabana zurückzukehren.


ILLIMANI SOUTHFACE EXPEDITION 2010
www.florianhill.com

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