Das schwedische Traditionsunternehmen Fjällräven, weltbekannt für funktionelle und robuste Outdoor-Bekleidung veranstaltet jedes Jahr einen Wanderwettbewerb der besonderen Art. Beim Fjällräven Classic gilt es eine 110 km lange Strecke gegen den unbestechlichen Lauf der Stoppuhr zu bewältigen. Austragungsort des Rennens ist der hohe Norden Schwedens. Weit nördlich des Polarkreises führt der Kungsleden, eine der schönsten und berühmtesten Trekkingrouten unserer Erde durch die einsame Bergwelt Lapplands. Unter den 1000 Fjällräven Classic – Aspiranten findet sich auch ein österreichisches Team. Andi, Arthur, Rüdiger und Gerald stellen sich der harten Herausforderung.

Tag 1: Es ist früh morgens und bitterkalt. Wir befinden uns in der kleinen samischen Siedlung Nikkaluokta und werden im Feld der Starter nach vorne gedrängt. Vor wenigen Sekunden ist der Startschuss für das Fjällräven Classic gefallen. Im Pulk der Masse folgen wir dem breiten Weg durch Birkenwälder, ausgedehnte Moorflächen sind komfortabel mit Holzplanken ausgelegt. Beim Überqueren der schaukeligen Hängebrücken gibt es kleinere Staus, doch Kilometer für Kilometer lichtet sich das Feld. Eine erste Stärkung verspricht Lapp-Donalds, ein originelles Fastfood-Lokal fernab jeglicher Zivilisation. Die Spezialität des Hauses sind Hamburger mit Rentierfleisch – und die schmecken wunderbar!

Nach 19 km ist das erste Etappenziel, die Fjällstation Kebnekaise erreicht. Wir fühlen uns topfit – trotz schwerer Rucksäcke. Die Wettkampfregeln verbieten eine Übernachtung in Hütten und so müssen wir die gesamte Ausrüstung von Kocher über Schlafsack bis Zelt mit uns tragen. Spontan entscheiden wir, den Gipfel des Kebnekaise in unsere Wanderung mit aufzunehmen. Der Kebnekaise ist 2111 m hoch und damit die höchste Erhebung des schwedischen Königreiches. Gesagt, getan! Wir verlassen den breiten Weg und steigen einen schmalen Pfad steil bergan. Rasch ändert sich die Landschaft. Steile Felswände sorgen für ein hochalpines Ambiente. An einem kleinen Bergsee unterhalb eines bedrohlichen Hängegletschers schlagen wir unser erstes Lager auf. Kochen, Essen, Trinken ist angesagt und mit vollen Mägen schlüpfen wir zufrieden in unsere Schlafsäcke.

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Tag 2: Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir unsere Rucksäcke, schnüren die Schuhe und los geht’s. Der Weg wird nun wirklich steil, der lose Schutt erschwert das Vorwärtskommen, der Puls wird immer schneller. Heute haben wir den Kebnekaise am Programm und dazu wollen wir noch eine ganze Tagesetappe des Fjällräven Classic anhängen. Die Stoppuhr läuft. Das wird ein langer Tag. Kurz vor Mittag erreichen wir den Gipfel. Die höchste Spitze zeigt sich eisgepanzert und nur mit einem Griff in die alpine Trickkiste gelingt es uns die letzten Meter hochzusteigen. „Berg Heil!“ und vom eisigem Wind getrieben geht es wieder nach unten. Was folgt ist ein endlos langes Tal und anstatt einem Weg entlang zu schreiten gilt es im Blockschutt von Fels zu Fels zu springen.

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Am Nachmittag erreichen wir das breite Tal des Tjäktjajakka-Flusses. Hier stoßen wir wieder auf die Route des Kungsleden. Die Landschaft erinnert ein wenig an Kanada. Wir sind begeistert! Bei der Sälka-Hütte werden Lebensmittel aufgefüllt und eine holzbefeuerte Sauna sowie ein Bad im eiskalten Bach stärken unsere müden Glieder. Aber die Etappe ist noch nicht zu Ende. Wir nützen das lange Tageslicht und marschieren noch bis weit in die Nacht. Die Mitternachtssonne ist im August zwar schon untergegangen, doch ist es noch hell genug um ohne Stirnlampe das Zelt aufbauen. Heute sind wir wirklich müde und schnell fallen wir in einen tiefen Schlaf.

Tag 3: Diese Etappe wollen wir etwas gemütlicher angehen. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und die wunderschönen Landschaft beeindruckt uns immer wieder aufs Neue. Aber die Strecke zieht sich und unsere Rucksäcke scheinen jeden Kilometer schwerer zu werden. Beim Start in Nikkaluokta haben wir unsere Ausrüstung gewogen. Die Minimalisten brachten15 kg auf die Waage, Arthur, unser Hardcore-Trekker hatte 25 kg am Rücken.

Endlich, wir erreichen die Alesjaure-Hütte. An diesem Flecken Erde finden sich alle Attribute, die ein Werbespot für Skandinavien brauchen würde. Ein türkisfarbener Fluss windet sich in breiten Mäandern durch das Tal. Rechts im Bild ein tief blauer See, in der Mitte der Ansicht auf einer Felskuppe das kleine Hüttendorf. Das ist Kitsch in Reinkultur! Wir stärken uns bei wunderbarem Kaffee und Selbstgebackenem und marschieren die letzten Stunden zu unserem Etappenziel. Alles in allem sind wir heute wieder zehn Stunden lang gegangen. Bald surren die Kocher und trotz mäßig köstlicher Trockennahrung sind die Töpfe rasch leergegessen.

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Tag 4: In der Früh regnet es leicht. Der Weg ist rutschig und unsere schweren Rucksäcke bringen uns oft aus dem Gleichgewicht. Zum Glück marschieren wir mit Skistöcken. Diese geben ein Gefühl von Sicherheit und erlauben die Beine etwas zu entlasten. Kurz vor der Abiskojaure-Hütte erreichen wir die ersten Birkenwälder. Das Empfangskomitee besteht aus einer dunklen Wolke abertausender Mücken. Glücklicherweise sind wir für den Angriff gewappnet. Gesicht und Hände glänzen vor Cremen, den restlichen Körper schützt G1000. Dieser Stoff wird von Fjällräven erzeugt und ist nicht nur wind- und wasserabweisend sondern auch mückenresistent.


An einem wunderschönen See nehmen wir ein frisches Bad und stärken uns für das Finale. Die letzten Stunden führen durch Birkenwälder, ein schöner Kontrast zu den Bergwiesen der vorangegangenen Tage. Wir sind guter Dinge und auch körperlich gibt es keine Klagen. Zum Glück passen jedem von uns die Schuhe, sodass Blasen kein Thema sind. Das ist aber nicht bei allen Teilnehmern so. Entlang der Strecke gibt es eigene Lazarett-Stationen wo wunde Füße behandelt und die Patienten moralisch aufgepäppelt werden.

Nach vier Tagen Extrem-Wanderung erreichen wir Abisko. Gegen Ende des Wettbewerbes hatten wir schon fast das Gefühl alleine unterwegs zu sein, so weit hat sich das Teilnehmerfeld auseinander gezogen. Jetzt erreichen wir wieder die Zivilisation. Beim Zieleinlauf herrscht begeisterte Stimmung. Jeder Läufer wird beklatscht und bejubelt und etwas stolz nehmen wir unsere Medaillen entgegen. Wir waren zwar nicht unter den Schnellsten, aber mit der Besteigung des Kebnekaise konnten wir das Fjällräven Classic mit einem hochalpinen Gipfel bereichern.

Das nächste Fjällräven Classic findet ab 7. August 2009 statt.
Infos unter www.fjallraven.de

Text: Gerald Valentin
Bilder: Fjällraven